Ostforum Leibzig

„Lasst die Leute in Ruhe arbeiten“: Wolf Lotter über die Verhinderung von Produktivität

16. März 2026

Am 21. April wird Wolf Lotter im OSTFORUM Leipzig als Keynote-Speaker auftreten. Der österreichische Publizist und Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins brand eins zählt seit Jahren zu den prägenden Stimmen der Wissensökonomie.

Dr. René Naumann
Wolf Lotter
Quelle: Katharina Lotte

Im Gespräch erläutert er, warum viele Unternehmen Innovation fordern, aber die Voraussetzungen dafür systematisch verhindern.

Wolf Lotter beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit der Transformation von Arbeit, Wirtschaft und Organisation. Seine zentrale These: Wertschöpfung entsteht heute nicht mehr durch Kontrolle, sondern durch die Qualität der Arbeitsbedingungen. „Wissensarbeit braucht Ruhe, Konzentration, kurze Wege und ein Klima, bei dem wir uns ganz auf das konzentrieren können, was wir tun“, sagt er. Entscheidend sei eine Umgebung, die nicht stört, sondern ermöglicht. „Ich nenne das in meinem neuen Buch die Fähigkeit zur tätigen Ruhe, wo aus Kreativität und Können echte Problemlösungen entstehen.“

Damit beschreibt Wolf Lotter einen klaren Gegensatz zur Realität vieler Unternehmen. Zwar wird Innovation als strategisches Ziel formuliert, doch die Strukturen bleiben häufig unverändert. „Das kommt mir vor wie der Versuch, ein nagelneues Smartphone mit einem Betriebssystem aus den 1980er Jahren zu betreiben." Für ihn liegt darin ein systemisches Problem. Arbeit hat sich grundlegend verändert, die Organisation jedoch oft nicht. „Drei Viertel aller Jobs sind heute wissensbasierte Dienstleistung.“ Daraus folgt ein anderer Führungsanspruch: „Leadership ist nicht, den Leuten zu sagen, was sie zu tun haben, sondern die besten Arbeitsbedingungen für sie zu schaffen.“

Diese Bedingungen sind nicht nur eine Frage der Bürogestaltung, sondern des gesamten Umfeldes. Der Stadtraum wird für Wolf Lotter zum aktiven Teil der Wertschöpfung. „Er ist ein entscheidender Produktionsfaktor, wenn sich die Stadt auch an die Bedingungen der Wissensarbeit anpasst – konzentrierte, ruhige Räume, weniger Lärm und mehr Einladungen zum Austausch.“ Gemeint ist damit ein funktionierendes Quartier, das Arbeiten und Leben zusammenführt. Vor diesem Hintergrund bewertet er auch die Diskussion um das Büro neu. Die häufige These vom „Ende des Büros“ greift für ihn zu kurz. „Wenn das Büro den Ansprüchen der Wissensarbeit – also Ruhe, Fokus, selbständige Arbeit – genügt, ist es alles andere als tot.“ Im Gegenteil: „Ich glaube, dass jetzt erst langsam seine Zeit kommt.“

Dass viele Beschäftigte ins Homeoffice ausweichen, interpretiert er nicht als Ablehnung des Büros, sondern als Reaktion auf schlechte Bedingungen. „Wir wissen aus internationalen Studien ja, dass die Leute deshalb ins Homeoffice wollen, weil sie dort in Ruhe ihre Arbeit erledigen können, nicht ständig abgelenkt und gestört werden.“ Die wirtschaftlichen Folgen dieser Störungen seien erheblich: „Die Ablenkung kostet übrigens allein in Deutschland einen dreistelligen Milliardenbetrag pro Jahr!“ Für Unternehmen ergibt sich daraus eine klare strategische Aufgabe. Es geht nicht um ein Entweder-oder zwischen Büro und Homeoffice, sondern um funktionierende Arbeitsorte. „Lasst die Leute in Ruhe arbeiten – und wenn die Büros das können, dann sind sie sogar DAS strategische Instrument für Unternehmen.“

Wie stark der Standort selbst zur Produktivität beiträgt, zeigt sich laut Wolf Lotter im Alltag. „In der Wissensökonomie ist der Kopf das wichtigste Kapital. Und dieser Kopf bleibt, wenn die Leute ihre Arbeit machen können, ohne genervt zu werden.“ Infrastruktur, Erreichbarkeit und Alltagstauglichkeit werden damit zu entscheidenden Faktoren. Ein praktischer Maßstab ist für ihn die Perspektive der Mitarbeitenden. „Ziehen Sie sich die Schuhe Ihrer Kolleginnen und Kollegen an – und das, was Sie brauchen, liegt vor Ihnen wie ein offenes Buch.“ Wer versteht, wie sich Arbeitswege, Betreuung, Mobilität und Versorgung konkret auswirken, erkennt schnell, ob ein Standort Entwicklung ermöglicht oder bremst. Wolf Lotter bringt es auf einen einfachen Punkt: „Kann ich dort, wo ich arbeite, auch leben? Dann passt alles zusammen.“ Genau in dieser Verbindung von Arbeit, Leben und funktionierender Infrastruktur entscheidet sich aus seiner Sicht die Zukunft der Wissensarbeit.

Wolf Lotter im OSTFORUM Leipzig

Am 21. April 2026 lädt das OSTFORUM Leipzig zu einer besonderen Veranstaltung ein. Unter dem Titel „OSTFORUM Zukunftsraum – Wolf Lotter über die Zukunft produktiver Orte“ wird das neue Quartier am Ostplatz erstmals im Rahmen eines exklusiven Events vorgestellt. Im südöstlichen Zentrum Leipzigs entsteht mit dem OSTFORUM ein neues urbanes Quartier für Wohnen und Arbeiten. Drei markante Neubauten verbinden modernen Wohnraum mit rund 15.308 Quadratmetern flexibel nutzbarer Gewerbefläche für Büro, Einzelhandel und Gastronomie.

Den inhaltlichen Mittelpunkt bildet eine Keynote von Wolf Lotter, Journalist, Publizist und Mitbegründer des Wirtschaftsmagazins brand eins. In seinem Vortrag spricht er über die Zukunft produktiver Orte und darüber, welche Rolle neue urbane Quartiere für Wirtschaft, Innovation und Stadtentwicklung spielen können.

Die Veranstaltung beginnt um 16 Uhr (Einlass ab 15 Uhr) am Projektstandort Prager Straße / Johannisallee / Ostplatz in Leipzig. Nach der Keynote folgen Fragerunden sowie ein Get-together mit Häppchen und Getränken.

Zur Anmeldung geht es hier